Gottesdienste am Heiligabend 2021

Predigt zum Film

Flügelschlag des Engels

Kurzpredigt zum Krippenspielfilm 2021 in der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Nathanael Hannover von Pastor Dr. Stephan Vasel

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend,

ganz schön aktuell dieses Krippenspiel! Maria und Josef sind unterwegs in Bothfeld. Und die Weisen aus dem Morgenland tun es ihnen gleich. Auf der Suche nach Geschenken kommen sie an vertrauten Orten vorbei – einer Apotheke, der Sparkasse, der katholischen Kirche.

Sehr eindrücklich sagt uns unser Krippenspiel: Weihnachten ist nicht nur ein Ereignis vor gut zweitausend Jahren. Weihnachten ist hier, jetzt und heute.

Die Hintergründe der Geschichte sind politisch. Kaiser Augustus hatte im fernen Rom verfügt: Alle Paare sollen sich aufmachen zur Geburtsstadt des Mannes. Eine sehr lebensferne Idee, gerade aus der Perspektive einer schwangeren Frau wie Maria. Wäre es nicht einfacher, in der Geburtsstadt der Frau zu bleiben und sich dort registrieren zu lassen?

Doch Maria nimmt es mit Humor und Gelassenheit. Zu Josef sagt sie: „Du weißt doch, dass der Engel zu mir gesagt hat, unser Kind wird ein besonderes Kind. Das passt doch zusammen. Wenn es unterwegs geboren werden würde, wäre das sehr besonders!“

Danach kommen Hirten in den Blick. Sie sind erschöpft und spüren die Anstrengungen der vergangenen Monate, wie es wohl bei uns vielen gerade geht. Plötzlich öffnet sich ihnen der Himmel. Ein Engel erscheint und schickt sie auf den Weg. Sie machen etwas, das Sie vermutlich einen Tag vorher noch für ziemlich verrückt gehalten hätten. Sie gehen zu einem neugeborenen Kind, von dem verheißen wird: Es wird den Weg zum Frieden zeigen.

Ausgerechnet die armen Hirten sind zuerst an der Krippe. Aber sie bleiben nicht allein. Drei Könige kommen dazu. Sie bringen Geschenke mit. Die Botschaft an uns lautet: Ob wir arm sind oder reich, wir sind alle eingeladen, uns hinzustellen zu den Hirten und Königen.

Würde man eine Biographie des Weihnachtsfestes schreiben, so bekäme die Zeit, in der wir leben, wohl ein eigenes Kapitel. Ganz viel von dem, was zu Weihnachten gehört, ging im vergangenen Jahr nicht. Kontakte waren beschränkt. Gottesdienste fielen aus, wurden digital angeboten, analog an Stationen, oft draußen. Und über manches Dorf fuhr ein Weihnachts-Trecker mit einem Anhänger, auf dem ein Krippenspiel zu den Menschen gebracht wurde. Oder es gab einen Film, wie hier bei uns. Und auch in diesem Jahr wussten wir sechs, vier oder zwei Wochen vor dem Fest noch nicht genau, was geht, und was wir vielleicht erneut umplanen müssen.

Doch Weihnachten fiel nicht aus im vergangen Jahr. Und es fällt auch nicht aus in diesem Jahr. Weihnachten fällt nicht aus, weil Gott nicht ausfällt. Oder andersherum gesagt: Weihnachten findet statt, weil Gott stattfindet, weil sein Licht in der Finsternis leuchtet, weil er uns stärkt und Zuversicht schenkt gerade in schwieriger Zeit.

Nicht immer ist die Nähe Gottes sichtbar. Und nicht immer stehen uns seine Engel so deutlich vor Augen, wie es bei den Hirten war. Und doch vertrauen wir darauf, dass wir auch in krisenhafter Zeit von guten Mächten wunderbar geborgen sind – so hat es Bonhoeffer einmal gesagt – oder in eine etwas älteren Bild: Dass wir den Flügelschlag seiner Engel spüren können mitten in unserem Leben.

Ich wünsche Ihnen, dass Gott Ihnen solche Erfahrungen schenkt. Dass Sie das Gefühl haben, hier berührt mich gerade der Flügelschlag eines Engels. Nicht nur Heiligabend und Weihnachten und in den Begegnungen zwischen den Jahren, sondern auch darüber hinaus. Solche Momente kann man nicht planen, erzwingen oder festhalten. Aber Sie können uns geschenkt werden. Und uns Mut geben und Hoffnung und Zuversicht.

Amen.