Predigt zum Sonntag Jubilate (3. Mai 2020)

Pastor i.R. Bernd-Ulrich Köpke
Pastor i.R. Bernd-Ulrich Köpke

Kurzpredigt zum Sonntag, 3. Mai 2020 (Jubilate)

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 Liebe Gemeinde!

 „7 Wochen ohne ...“ eigene Gottesdienste in unserer neuen Kirche, solange, wie die Passions- und Fastenzeit dauert! Schon sieben Wochen im Corona-Modus! – Heute, am Sonntag Jubilate, wie schon am letzten Sonntag, ist das besonders schwer auszuhalten. Die Konfirmationen in unserer Kirchengemeinde mussten ausfallen bzw. verschoben werden. Konfirmandinnen und Konfirmanden und deren Familien mussten auf die Feier, auf die sie sich schon lange gefreut hatten, verzichten. Auch meine (2.) Enkelin und Familie sind betroffen. Unsere Unterrichtenden, Pastor Vasel und Ilse Köpke-Degener, haben versucht, die Jugendlichen mit einem kleinen Geschenk etwas zu trösten. Es gibt Hinweise darauf, dass ihr Geschenk gut angekommen ist.

Nicht nur die Feiern fehlen, sondern vor allem die Gottesdienste und die Predigten. Worüber wird am Sonntag „Jubilate“ gepredigt? Vielleicht über den vorgeschlagenen Predigttext, der auch für die Konfirmationen hervorragend gepasst hätte, Johannes 15, Verse 1-8, dabei besonders über das Jesuswort Vers 5:

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht ... „

Jesus spricht zu einem Publikum, zu Zuhörenden, die sich, anders als wir, im Weinbau gut auskannten. Jesus benutzt überhaupt immer wieder verständliche Bilder und Alltagssituationen, um seine Botschaft zu erklären.

Uns hier in Norddeutschland ist der Weinbau recht fremd. Weinbau in Norddeutschland ist eine echte Besonderheit - und im Vergleich zu den rund 100.000 Hektar Reben, die in den 13 deutschen Weinanbaugebieten wachsen, sehr überschaubar. In Niedersachsen haben 2016 zehn Neu-Winzer das Recht erworben, auf insgesamt rund 7,6 Hektar Fläche Rebstöcke anzubauen.

Weinbau ist ein mühsames Geschäft. Als meine Frau und ich 2018 eine 5-Flüsse-Fahrt machten, unter anderem zu den Anbaugebieten an der Mosel, am Rhein und Nahe, haben wir viel gelernt. Ein Weinstock braucht besondere Pflege und einen Winzer und eine Winzerin, die sich gut auskennen. Weinbau ist eine Wissenschaft für sich.

Wie passend, dass in dem Predigttext Gott mit einem Weingärtner verglichen wird ! Gott ist der, der für uns sorgt, damit wir uns entwickeln können. Und Gott will nur eins, dass wir bei ihm und bei Jesus bleiben !

In dem Bild vom Weinstock und den Reben spiegelt sich eine Vorstellung wieder, die besonders gut zu den jetzigen Corona-Zeiten passt: der Gedanke des Zusammenhalts. Zusammenhalt ist seit zwei Monaten zu einem der am häufigsten gebrauchten Wörter geworden, zu einer von allen Seiten regelmäßig erhobenen Forderung. Das ist gut und richtig und hat schon viele erreicht. Aber für mich hat Zusammenhalt nicht nur eine zwischenmenschliche, sondern auch eine geistliche christliche Dimension, nicht nur horizontal, sondern auch vertikal.

Wir Christinnen und Christen suchen auch den Zusammenhalt zu Gott, zu Jesus, der uns Kraft gibt, damit wir Früchte tragen können.

Das Bild der vollen prallen Weintraube hat etwas Verlockendes an sich. Deswegen habe ich es auch als Hintergrund für diese Predigt gewählt. Dieses Bild macht auch deutlich: Wir sehen oft nur die Trauben und vergessen, wer uns hält: den Weinstock. 

Ich wünsche mir, dass wir als Kirchengemeinde zusammenhalten wie eine Weintraube, dass wir uns Kraft bei Gott holen und zusammenbleiben.

Ich stelle mir vor, Jesus würde heute zu uns kommen und ein vergleichbares Bildwort zu uns sprechen. Ich vermute, er würde uns heutzutage nicht mit Reben und Weintrauben vergleichen, sondern nach neuen Bildern suchen. Vielleicht so, wie es Pastorin Dr. min. Sandra Bils beim Abschlussgottesdienst des letzten Kirchentags 2019 in Dortmund getan hat. Sie sagte: „Das sind wir: Gottes geliebte Gurkentruppe.“  -

Ich habe im Internet nachgeschaut, was Gurkentruppe bedeutet: man benutzt dieses Wort ironisch, abwertend, oft in der Fußballsprache, und bezeichnet damit eine Mannschaft oder Gruppe von Personen, die als erfolglos oder versagend wahrgenommen werden. 

 Egal ob Gurken oder Weintrauben, wir sind Gottes geliebte Menschen !

Und wenn ich darüber nachdenke, was ich bei einem Konfirmationsgottesdienst am heutigen Sonntag den Jugendlichen verteilt hätte: dann doch lieber Weintrauben als Gurken !

 Vielleicht ist es gut, dass wir heute nicht Konfirmation feiern. Ein Gottesdienst ohne Lieder, die immer noch verboten sind, wäre nur ein halber Gottesdienst geworden. Vor allem hätte das eine Lied gefehlt, das unser jetziger Konfirmandenjahrgang so gerne singt:

Auf dich vertraun (Losungslied zum Kirchentag 2019) - Annika Lohaus

https://www.youtube.com/watch?v=hsEYS0XKO0I

Amen.