Predigt zum Karfreitag (10. April 2020)

Pastorin Gundula Rudloff
Pastorin Gundula Rudloff

Karfreitag , 10.4.20, Andacht von Pastorin Gundula Rudloff über das Wort des Tages: Zum Mithören,  Mitlesen und  Runterladen !

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Johannes 3,16).

Mit diesem Wort zu Karfreitag grüße ich ganz herzlich aus St. Nathanael in Bothfeld!

Karfreitag gehört zweifellos zu den wichtigsten kirchlichen Feiertagen im Jahr. Deshalb ist es besonders schmerzlich, gerade heute auf die gemeinsamen Gottesdienste oder Andachten zur Sterbestunde Jesu verzichten zu müssen. Aber Gottes Wort und sein Heiliger Geist können uns an jedem Ort der Welt, also auch in unserm ganz privaten Umfeld zu Hause, erreichen.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Ich finde es genial, wie dieser eine Satz das ganze Evangelium zusammenfasst.

Dieser eine Satz sagt uns, was es im Kern mit dem Kreuz, an dem Jesus starb, auf sich hat und warum es zu Recht zum unverkennbaren Logo der weltweiten Christenheit wurde.

Dieser eine Satz bezeugt auf einzigartige Weise das Herz Gottes:

So sehr hat Gott die Welt geliebt.

Gott ist Liebe.

Der Grund für die Schöpfung ist Liebe.

Der Grund der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel ist Liebe.

Der Grund für Gottes Geschichte mit der ganzen Welt und mit uns persönlich ist Liebe.

Der Grund für die Erlösung ist Liebe.

Gottes Liebe ist unermesslich, und sie zeigt sich unübertroffen am Kreuz.

„So sehr hat Gott die Welt geliebt“ – das heißt: Keine Gottvergessenheit dieser Welt, keine Gottesferne dieser Welt und keine Gottesfeindschaft dieser Welt kann die Liebe Gottes zerstören oder auch nur schmälern. Am Kreuz praktiziert Gott unübertroffene Feindesliebe.

Schreckliches erschüttert unser persönliches Leben und diese Welt, wie jetzt z.B. dieses Virus, dessen Folgen noch lange nicht absehbar sind.

Nur eins bleibt unerschütterlich: Die Liebe Gottes. Sie ist bedingungslos und grenzenlos.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.

Liebe hat Konsequenzen. Liebe sucht Beziehung.

Gottes Liebe ist so stark, dass er nicht ohne uns sein will und deshalb seinen Himmel verlässt, um uns nah zu sein.

Gottes Liebe geht so weit, dass er sich Menschenhänden anvertraut, sich geradezu hineinriskiert.

Liebe übernimmt Verantwortung. Liebe ist opferbereit. Gottes Liebe bringt das höchste Opfer für die Feinde.

Gott gab seinen Sohn in den Tod.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben

Glaube heißt: auf die Liebe Gottes zu antworten.

Das geht aber nur freiwillig. Zur Liebe gehört die Freiheit zu entscheiden: Ja, ich will. Oder: Nein, ich will nicht.

Alle Menschen sind in eine Liebesbeziehung mit Gott eingeladen. Niemand wird gezwungen.  

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Wir sind nicht nur für dieses irdische Leben geschaffen, sondern für das ewige Leben. Aber zur Liebe gehören zwei. - Ohne Gott für immer zu sterben, ist möglich. Aber Gott will das nicht. Darum das Kreuz. Das gottverlassene Sterben nahm Gott auf sich – aus einem Grund: damit der Tod, der unausweichlich unser irdisches Leben beendet, nicht für immer und ewig unser Ende ist. Gott sagt: Ich will Hoffnung und Zukunft für dich, und beides findest du, wenn du mir vertraust (siehe Joh 14,6).

Karfreitag ist der wahre „Friday for Future“, der Tag, an dem Gott das kaputte Klima zwischen ihm und uns Menschen wieder in Ordnung bringt, damit wir mit Zukunftsperspektive leben und sterben können.  

Im englischsprachigen Raum heißt Karfreitag „Good Friday“, guter Freitag. - Was könnte es für einen besseren Tag geben: Tag, an dem Gott uns die Größe seiner Liebe zeigt; Tag, an dem er uns zum Abenteuer des Glaubens an den Gekreuzigten einlädt; Tag, an dem er uns das Geschenk der Erlösung macht.

Das kann sich kein Mensch selbst ausdenken. Aber wir alle können anfangen, an den zu glauben, der das Heilmittel für unser verlorenes Leben ist.  

Amen.

Singen oder lesen Sie mit Worten eines alten Chorals von Paul Gerhardt aus dem Evangelisches Gesangbuch: 85, 1+4+8+9

O Haupt voll But und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn, / o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron, / o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, / jetzt aber hoch schimpfieret: / gegrüßet seist du mir!

Nun, was du, Herr, erduldet, / ist alles meine Last; / ich hab es selbst verschuldet, / was du getragen hast. / Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat. / Gib mir, o mein Erbarmer, / den Anblick deiner Gnad.

Ich danke dir von Herzen, / o Jesu, liebster Freund, / für deines Todes Schmerzen, / da du`s so gut gemeint./  Ach gib, dass ich mich halte zu dir und deiner Treu / und, wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden, / so scheide nicht von mir, / wenn ich den Tod soll leiden, / so tritt du dann herfür, / wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, / so reiß mich aus den Ängsten / kraft deiner Angst und Pein.

Einladung zum Gebet:

Herr Jesus Christus, du enthüllst uns das Geheimnis des Kreuzes:

Dein Kreuz bezeugt uns, dass wir grenzenlos geliebt sind, dass deine Gnade uns trägt in den Tiefen der Angst und im Dunkel von Einsamkeit, Not und Schuld.

Dein Kreuz bezeugt uns, dass du dich mitten in unserem Leid finden lässt und dass du uns niemals verloren gibst.

Dein Kreuz bezeugt uns, dass dein Friede uns umhüllt, dass die Macht des Bösen uns nichts anhaben kann und dass wir versöhnt sind mit Gott.

Dein Kreuz bezeugt uns: Du allein, Jesus Christus, bist uns Weg, Wahrheit und Leben.

Danke, dass wir glaubend festhalten dürfen: Dein Kreuz eröffnet uns Leben und Zukunft. Wir sind geborgen, aufgenommen und bewahrt zum ewigen Leben.

Amen.