Predigt zu Ostern (12. und 13. April 2020)

Pastor Dr. Stephan Vasel
Pastor Dr. Stephan Vasel

Hoffnung in den Zeiten von Corona

(Zum Zuhören, Mitlesen und Runterladen !)

Sie ist schon da: Die neue Osterkerze. Zwei Frauen aus St. Nathanael haben sie ehrenamtlich gestaltet und inmitten von Blumen fotografiert.

Wir können schlecht in die Zukunft schauen. Doch es ist klar: Die Kerze wird in diesem Jahr später an den Ort ihrer Bestimmung gelangen. Denn Ostern gibt es keine Gottesdienste in gewohnter Form.

 „Karfreitagsruhe“, so beschrieb ein katholischer Kollege die Situation, in der wir uns nunmehr seit Mitte März befinden. Keine Versammlungen, keine Gottesdienste, kein gemeinsamer Gesang, der in unseren Kirchen hallt.

Von Karfreitag steckt so einiges in diesen Tagen. Viele Menschen sind krank. Manche sterben. Der Druck aufs Gesundheitssystem ist groß. Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, sind im Dauereinsatz. Selbst Beerdigungen sind betroffen. Manche Beisetzung wird erst nach der Pandemie als Urnentrauerfeier gestaltet.

Der Immunologe Peter Medawar (1915-1987) hat einmal gesagt: “Ein Virus ist ein fremder und ungeliebter Gast – etwas Nuklein-Säure umgeben von schlechten Nachrichten.“ Schlechte Nachrichten: Das wird wohl so bleiben - bis es einen Impfstoff gibt. Und es sieht sehr danach aus, als würde der ungeliebte Gast noch etwas bleiben. Vielleicht etwas isoliert, doch weiterhin an unserem Tisch.

Corona stellt unser Leben gehörig infrage. Vieles, was sonst stabil erscheint, ist nun brüchig und bedroht. Wer sind wir? Was ist uns wichtig? Was gibt uns Hoffnung, Halt und Perspektive? Woran glauben wir? Was geben wir an unsere Kinder weiter?

Ein Aspekt ist für mich, dass wir nichts auf dieser Welt die Chance geben, absolute Macht über uns auszuüben. Selbst Corona darf nicht alles in allem werden.

Wir halten und an Hygieneregeln. Wir zeigen Nächstenliebe vorübergehend dadurch, dass wir dem Nächsten körperlich fernbleiben. Wir nehmen dem Virus Kontaktmöglichkeiten und bauen zugleich Kontakte auf Distanz aus. Vorsicht ist ein Gebot der Stunde. Doch wir handeln nicht in erster Linie aus Furcht, sondern aus Liebe, Verantwortung und Hoffnung.

Mancher denkt sich nun: „So ein Ärger. Ostern fällt aus.“ Ich denke, das ist ein falscher Ansatz. Ostern ist auch da, wenn eine Pandemie unsere gesellschaftlichen, familiären und kirchlichen Fest-Routinen stört. Ostern ist da, weil die Wirklichkeit Gottes nicht verschwindet, wenn wir Theater, Schwimmbäder und Kirchengebäude schließen. Ostern ist da, weil Gott da ist. Ostern ist da, wenn wir uns auf Gott hin ausrichten. Denn Gott begegnet uns im Hier und Jetzt. Sein Wohnort ist nicht das Hätte, Wäre, Wenn und Aber. Gott hat uns in dieses Leben hineingestellt. Gerade wenn uns jetzt Angst und Sorge umtreiben, gilt uns ein österliches: „Fürchtet euch nicht“ (Matthäusevangelium 28,5).

Und so findet Ostern statt. Vielleicht sitzen wir in den Familien zusammen. Oder wir hören Online-Predigten. Oder wir stimmen ein in ein Gebet im Fernsehen, im Radio oder im Internet. Mancher wird wohl auch allein sein, denn Hannover gilt statistisch als Hauptstadt der Singles.

Und inmitten all der schlechten Nachrichten gibt es auch schon jetzt viele Gründe, hier und da ein Halleluja anzustimmen. Über Familien, die die schwierige Zeit gut miteinander gestalten. Über Nachbarinnen und Nachbarn, die gut im Blick sind. Über neu belebte Kontakte, weil wir Zeit zum Anrufen gefunden haben. Über Lieder, die wir auf dem Balkon, im Kinderzimmer oder auf der Terrasse singen.

Die Osterkerze, die für eine hoffnungsvolle Grundausrichtung des Lebens auch in widriger Zeit steht, ist schon da. Sie wartet auf uns. Wir werden wieder Taufkerzen an der Osterkerze anzünden und dies mit in unser Leben nehmen und das alte Christuswort hören: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Johannesevangelium 8,12).

Amen.