Post von der Kirchengemeinde

Weihnachtsgruß Ihrer Kirchengemeinde

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Liebe Gemeindeglieder,

ein Virus kennt kein Weihnachten und kein Silvester - wir aber schon.

In diesem Spannungsfeld stehen wir in diesen Tagen nicht nur als Kirchengemeinde.

Wie feiert man, wenn man Begegnungen besser vermeiden soll? Wie erleben wir Gott, wenn Singen zur Gefahr wird? Fahren wir zu den Eltern und Großeltern? Oder rufen wir einfach an?

Für unsere Kirchengemeinde planen wir eine erhöhte Zahl kürzerer Gottesdienste mit Außen- und Internetübertragung und einem ausgeklügelten Hygienekonzept. Manche sind speziell auf Familien mit Kindern ausgerichtet. Alle Informationen über den Ablauf und die Buchung der kostenlosen Einlass-Tickets finden Sie im GemeindeLeben und tagesaktuell auf unserer Internetseite.

 

Der Aufwand ist groß. Viele Ehrenamtliche sind gleich in mehreren Gottesdiensten im Einsatz und schenken uns so einen Teil ihrer wertvollen Familienzeit. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken.

 

Doch auch wenn die Infektionszahlen so in die Höhe schnellen, dass analoge Gottesdienste nicht möglich sind und gleichzeitig der Strom ausfällt, so wäre auch dann Weihnachten. Denn Gott fällt nicht aus. Er ist da. Er will sich von uns finden lassen. Selbst jenseits unserer Festroutinen.

 

Als 1527 die Pest in Wittenberg ausbrach, schrieb Martin Luther: Seid „keck“ im Glauben daran, dass Gott uns erhalten will. Er riet, sich vorsichtig zu verhalten, Quarantäne-Regeln und Hygienemaßnahmen zu beachten und Friedhöfe vor die Stadtmauern zu verlegen. Sein Freund Lukas Cranach hatte in Wittenberg eine Apotheke. So war Luther relativ nahe dran an dem, was damals medizinisch möglich war. Luther schrieb, dass Gott „die Arznei geschaffen und die Vernunft gegeben“ hat, um „dem Leibe beizustehen und ihn zu pflegen“. Keck sein im Glauben daran, dass Gott uns erhalten will, und zugleich auf Vernunft und Arznei setzen. Ich finde, das ist ein schöner Vorsatz für unsere Zeit, in der alle Welt gerade nach einem Impfstoff sucht.

 Etwas Sorge bereitet mir das Thema „Brot für die Welt“. Durch Corona nimmt der Hunger in der Welt leider wieder zu. Da weniger Menschen in diesem Jahr in Gottesdienste gehen, wird es vermutlich weniger Spenden für Brot für die Welt geben. Hier können Sie sehr einfach durch eine Online-Spende gegensteuern. Die Daten dazu finden Sie auf unserer Internetseite.

Vor ein paar Wochen fiel mir ein Kinderbuch in die Hand, mit dem ich aufgewachsen bin. Es handelt von einer Maus mit dem Namen Frederick. Während die anderen Mäuse eifrig leibliche Vorräte für den Winter sammeln -  Nüsse, Stroh und Beeren - , verbringt Frederick viel Zeit mit Dingen, die sich nicht so recht zuordnen lassen. Er sagt zum Beispiel: „Ich sammle Farben, denn der Winter ist grau.“ Und: „Ich sammle Wörter. Es gibt viele lange Wintertage.“ Das Buch erzählt dann davon, dass der Winter länger und kälter wird als erwartet. Alle Mäuse ziehen sich immer weiter in ihre Höhle zurück. Am Anfang sind sie noch fröhlich, doch langsam verlieren sie die Erinnerung, wie unbeschwert es im Sommer war. Dies ist die Stunde des Fredrick: Er teilt seine Vorräte. So farbenfroh und fröhlich erzählt er von den Sonnenstrahlen vergangener Zeiten, dass den Mäusen ganz warm ums Herz wird.

Jesus sagte einmal: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (Matthäusevangelium 4,4). Ich bin fest davon überzeugt, dass wir neben wirtschaftlicher Sicherheit auch Zeiten, Orte und Gelegenheiten brauchen, wo unsere Seele auftanken kann.

Ich wünsch Ihnen sehr, dass in dieser für alle anstrengenden Zeit für Sie etwas spürbar wird von der Gegenwart Gottes, die wir an Weihnachten feiern, und dass Sie auf Quellen stoßen, aus denen Sie Kraft schöpfen können für den weiteren Weg.

Mit herzlichen Segensgrüßen zum Weihnachtsfest

Ihr

Pastor Stephan Vasel