Interview mit Orgelbaumeister Udo Feopentow

Eine Eingebung führte mich schon als Kind zum Orgelbau

 

Der Orgelbaumeister Udo Feopentow (54) hat seinen Betrieb in Wienhausen, bei Celle. Für ihn ist der Orgelbau eine Berufung. Mit zehn Jahren hat der kirchlich geprägte Feopentow in Immensen während eines Klassenausfluges, in der St. Antonius-Kirche, eine Eingebung. Seitdem baut und restauriert er Orgeln in ganz Deutschland. Die Restaurierung alter Orgeln ist sein besonderes Steckenpferd. Die älteste Kirchen-Orgel stammt aus dem frühen 15. Jh. Seit dem Jahr 2017 gehört der Orgelbau in Deutschland, der große Nachwuchsprobleme hat, daher zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zum Neubau des Kirchenzentrums St. Nathanael zieht die alte Orgel nach einer Reinigung, Aufarbeitung und Klangverbesserung um. Für diesen Kraftakt muss die Kirchengemeinde einen Eigenanteil von 24.000 € leisten, die restlichen 30 Prozent kommen von der Landeskirche. Hierfür werden Spenden gesammelt und drei Benefiz-Orgelkonzerte mit bekannten Organisten mit Wein, Getränken und Knabbereien organisiert.
Das Interview führte Edzard Schönrock

 

St. Nathanael Gemeinde (SN): Wie und wieso wurden Sie Orgelbauer?

Udo Feopentow (UF): Durch eine Eingebung, die ich als Kind in einer Kirche bekam. Seitdem war mein Weg vorgegeben. Nach Tischler- und Orgelbaulehre wurde ich Meister. Im Anschluss dann eine musikalische Grundausbildung, Chorleiter und Organist. Dadurch bin ich optimal auf meinen Beruf vorbereitet worden. Seit 20 Jahren bin ich jetzt selbständig. Ich lebe meine Leidenschaft zu Orgeln, wodurch teilweise Raum und Zeit verschwinden. Eine gute alte Orgel muss mich berühren – Intonation, Technik, Klang und Raum.

SN: Was haben wir für eine Orgel und was kennzeichnet sie?

UF: Es ist eine neobarocke Prinzipal Vier Orgel mit sechs Registern der Firma Schmidt & Thiemann (Langenhagen) aus dem Jahr 1964 mit Pfeifen aus 80 Prozent Blei und 20 Prozent Zinn. Der Klang ist für diese Zeit typisch hoch- bzw. obertönig, insgesamt ehrlich gesagt klanglich nicht sonderlich gelungen. Also eigentlich wenig barocke Intonationen, was auf die Unwissenheit der damaligen Zeit zurückzuführen ist.

SN: Also genau der richtige Zeitpunkt den Umzug der Orgel für eine Aufwertung des Klanges zu nutzen, wie es der Kirchenvorstand nach Rücksprache mit dem Orgelrevisor der Landeskirche und einem der fachkundigen Organisten entschieden hat?

UF: Es ist jetzt eine gute Gelegenheit in den drei Monaten die Orgel zu verbessern, da sie sowieso komplett auseinandergebaut werden muss. Es wird daher neben der Reinigung und Aufarbeitung auch eine klangliche Erweiterung geben. Die Orgel wird fülliger, was sogar von den Gemeindemitgliedern deutlich wahrgenommen werden kann. Es wird klanglich ein ganz neues Instrument. Aber auch die Oberflächen werden von Nussbaum farblich lasiert mehr auf Eiche angepasst, passend zum Stil des Neubaus. Technisch müssen aber auch die Pfeifen teilweise ausgetauscht (20 Prozent) oder repariert werden. Die Umbaukosten liegen bei etwa 25 Prozent des Neubaus. Das lohnt sich also.

SN: Was sind die typischen Werkzeuge eines Orgelbauers?

UF: Vor allem Tischlerwerkzeuge, wie Hobel, Stemmeisen, Hammer und dazu noch Stimmhorn und Pinsel.

SN: Was halten Sie von der Idee Benefizkonzerte auf Spendenbasis zu geben und andere Spenden zu sammeln, um den Umzug und Umbau der Orgel zu finanzieren?

UF: Ich finde die Idee Klasse, auch wenn Konzerte für eine normale Orgel ungewöhnlich sind. Da bin ich schon sehr gespannt. Ich drücke die Daumen und freue mich auf die Eröffnung des neuen Kirchenzentrums St. Nathanael.

SN: Der Orgelbaumeister Udo Feopentow wird die neobarocke Orgel aus dem Jahr 1964 für den Umzug in St. Nathanael aufarbeiten und klanglich verbessern, wofür Spenden gesammelt werden.